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Interview mit Heinrich Arnold, WfbM-Beschäftigter im Catering

Heinrich Arnold, 46 Jahre, Catering / Küche, lebt alleine in einer ambulant betreuten Wohnung in Löwental bei Friedrichshafen.

Heinrich ist sehr aufgeschlossen und gut aufgelegt, obwohl er zurzeit wegen eines Bänderrisses an Krücken geht.

„Ich bin schon seit 22 Jahren in Liebenau, immer in der Küche. Mir gefällt es dort, ich bin ein alter Hase. Ich bin der, der lustig drauf ist. Wenn ich morgens komme, mache ich Späßle, dann ist gleich gute Stimmung. Manchmal passiert es, dass ich verschlafe. Dann vermissen mich meine Kollegen gleich. Aber normalerweise stehe ich morgens um fünf Uhr auf, trinke einen Kaffee und rauche erstmal eine. Ich fahre mit dem Zug nach Meckenbeuren, dann mit dem Bus weiter nach Liebenau. Um sieben Uhr bin ich in der Küche und fange gleich an. Früher habe ich in der Hauptküche Essen geschöpft und dem Diätkoch geholfen. In der Kantine war ich auch schon, da waren mir aber zu viele Menschen. Jetzt klebe ich Etiketten – aus gesundheitlichen Gründen. Das ist gut so, denn da bin ich mein eigener Herr und habe keinen Stress. Ich klebe den ganzen Tag Etiketten auf Deckel für die Menagen. Es gibt kleine, mittlere und große Aufkleber für halbe, kleine und große Deckel. Auf den Etiketten stehen die Mengenangaben und das Gewicht. Ich beklebe die Deckel immer einen Tag bevor sie in der Küche gebraucht werden. Die Aufkleber sind nach Wohngruppen, in die das Essen dann geliefert werden soll, sortiert. Montags, mittwochs und freitags arbeite ich halbtags, dienstags und donnerstags den ganzen Tag. In meinen Pausen esse ich ein Weckle; zum Mittagessen gehe ich in die Kantine. Wenn´s geht und wenn ich eine habe, rauch‘ ich auch eine. Ich unterhalte mich gerne mit meinen Kollegen, wenn sie Zeit haben. Eine Kollegin geht bald in Rente. Da muss ich, solange sie noch da ist, viel mit ihr reden. Wenn in der Spülküche oder in der Diätküche mal viel los ist, helfe ich dort aus. Das ist toll, mal was anderes. Nach der Arbeit fahre ich wieder mit dem Zug heim und mache erstmal ein Mittagsschläfle. Zurzeit kann ich wegen meinem Bänderriss keinen Sport machen. Aber ich freue mich, wenn ich mich wieder bewegen, Radfahren, Fußball spielen und schwimmen gehen kann.
Ich bin übrigens auch im Werkstattrat. Da vertrete ich WfbM-Beschäftigte, ihre Wünsche und ihre Probleme. Früher war ich sogar Vorsitzender, jetzt aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Bald sind wieder Wahlen. Da lasse ich mich wieder aufstellen. Das macht Spaß.“

erstellt am 28.06.2017



Heinrich Arnold