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Katrin Lämmle hat bei der LiSe ihre Chance bekommen

"Ich liebe meine Arbeit, und ich fühle mich an meinem Arbeitsplatz sehr wohl", sagt Katrin Lämmle strahlend. Die 38-jährige gehörlose Bauzeichnerin ist seit Ende November 2006 bei der Liebenau Service GmbH (LiSe) der Stiftung Liebenau für die Eingabe der Kundenbestellungen zuständig. Dass sie hier einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat, verdankt sie der Initiative der LiSe, neben den Arbeitsplätzen im Rahmen der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auch Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit anderweitigen Vermittlungshemmnissen zu finden.

"Diese Initiative ist eine besondere Chance für Menschen, die ohne Hilfe auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer Fuß fassen können", sagt Susanne Schaugg, Personalleiterin des Unternehmens. Zielsetzung der LiSe ist es, jedes Jahr sowohl in den drei Abteilungen Catering, Textilservice und Gebäudeservice als auch im Bereich Finanzen und Verwaltung, wo möglich, je eine Stelle mit Menschen mit Vermittlungshemmnissen zu besetzen. Im Blickpunkt stehen zum Beispiel Langzeitarbeitslose, Menschen mit körperlichen Behinderungen und ältere Arbeitnehmer. Zur Erleichterung des Einstiegs wird jedem dieser Menschen ein Pate von der LiSe zur Seite gestellt. Nach dem Ablauf der staatlichen Integrationsförderung wird der Arbeitsplatz komplett von der LiSe finanziert. So konnten bereits in allen Unternehmensbereichen Menschen mit Vermittlungshemmnissen eingestellt werden – darunter zwei weitere gehörlose Mitarbeiter, Menschen mit Asperger-Syndrom (einer Form des Autismus), Arbeitnehmer über 55 Jahre und Langzeitarbeitslose.


Initiativbewerbung hat Erfolg

Seit Ende November 2006 profitiert die seit ihrer Geburt gehörlose Katrin Lämmle von dieser Regelung. Nach ihrem dreijährigen Erziehungsurlaub hatte die gelernte Bauzeichnerin viele Bewerbungen geschrieben. Außer einem Job als Autopflegerin und einem Praktikum in einer Gärtnerei hatte die alleinerziehende Mutter aber nirgendwo eine Chance bekommen. Da hatte Katharina Frey vom Jugendamt, die die kleine Familie im Rahmen der sozialpädagogischen Familienhilfe betreut, die Idee, eine Initiativbewerbung an die Stiftung Liebenau zu senden. Mit Erfolg.

Anerkennung im Team

"Für uns war es eine echte Herausforderung, eine passende Arbeit für sie zu finden", erinnert sich Susanne Schaugg. Zwischenzeitlich ist Katrin Lämmle zusammen mit fünf weiteren Mitarbeitern bei der LiSe im Team "Beschaffung und Eingabe" tätig. "Sie ist anerkannt, sehr zuverlässig und macht gute Arbeit", lobt die Personalleiterin. Die verschiedenen Wohngruppen geben bei ihr ihre Bestellungen ab, und sie sorgt dafür, dass sie mit allem versorgt werden, was sie brauchen. Weil sie infolge ihrer Gehörlosigkeit nicht telefonieren kann, laufen die Kontakte über SMS oder E-Mails. Der ursprüngliche Beschäftigungsumfang von 20 Stunden wurde zwischenzeitlich auf 25 Stunden aufgestockt.

Gebärdendolmetscher hilft

An ihrem Arbeitsplatz, der ihr den notwendigen Blickkontakt zur Türe bietet, fühlt Katrin Lämmle sich sichtlich wohl. "Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, hier mit vielen hörenden Menschen zusammenzuarbeiten", sagt sie und präsentiert volle Ordner mit umfangreichen Bestelllisten, die sie bereits angelegt hat. Von Kindheit an hat die aufgeschlossene Frau gelernt, das Gesagte von den Lippen ihres Gesprächspartners abzulesen und beherrscht auch die für Hörende oft nicht ganz einfach zu verstehende Lautsprache. Weil sie der Kommunikation mehrerer Personen nicht folgen kann, wird bei Teambesprechungen für sie ein Gebärdensprachendolmetscher organisiert.

Hörende müssen Umgang lernen

"Der Umgang mit Gehörlosen ist für Hörende oft gar nicht so einfach", weiß Jugendamtsmitarbeiterin Katharina Frey. Dies beginne schon damit, dass man ihnen ihre Behinderung nicht ansehe. Oft sei es Hörenden auch unangenehm, nochmals nachzufragen, wenn sie die Lautsprache nicht verstanden haben. Wenn viele hörende Menschen miteinander sprechen, könne bei einem gehörlosen Menschen ein Gefühl der Ausgegrenztheit oder Langeweile entstehen, weil er dem Gespräch nicht folgen könne und auch nicht wisse, ob über ihn gesprochen werde. Weil ein spontaner Austausch infolge der Sprachschwierigkeiten nicht einfach sei, bleibe es oft bei sehr kurzen Konversationen. Für einen gehörlosen Menschen sei es darüber hinaus auch nicht möglich, etwas "zwischen den Zeilen" zu verstehen, was hörenden Menschen allein durch den Tonfall gelinge. Diese Erfahrung haben auch die LiSe-Kollegen gemacht – und gelernt, sich auf ihre neue Kollegin einzustellen. "Wenn Menschen mich zum Lächeln bringen, ist es ein schöner Tag für mich", sagt Katrin Lämmle zum Abschluss unseres Gesprächs. 

Von: Annette Scherer, erstellt am 30.04.2009



Katrin Lämmle an ihrem Arbeitsplatz

Katrin Lämmle an ihrem Arbeitsplatz