Sie sind hier:  Aktuelles & Service »  Presse 

"Wenn ich hier arbeite, roste ich nicht ein"

Zwischen Brot, Brötchen und Gebäck fühlt sich Rainer Geißen* wohl. Daher war der Werkstattbeschäftigte der Liebenau Service GmbH, kurz LiSe, in der hauseigenen Bäckerei des Dienstleistungsunternehmens auch richtig aufgehoben. Mit der Schließung der LiSe-Backstube im Frühjahr 2010 musste er sich jedoch neu orientieren um letztendlich sein Glück in einem ausgelagerten Arbeitsplatz der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) der LiSe zu finden.

Seine Arbeit führt der motorisch und geistig eingeschränkte Rainer Geißen immer mit viel Liebe und Zuverlässigkeit aus. Für die WfbM der LiSe war es nicht nur deshalb ein besonderer Ansporn, ihm nach der Bäckereischließung einen anspruchsvollen Arbeitsplatz in der Großküche der LiSe anzubieten. Doch auch wenn Klima und Umgang in der WfbM der LiSe für Rainer Geißen einen sicheren sowie abwechslungsreichen Rahmen bietet, brachte ihn die Küchenarbeit nicht die erhoffte Zufriedenheit. Der Wunsch, wieder in einer Bäckerei zu arbeiten, verstärkte sich zunehmend.

Aus diesem Grund ging die WfbM LiSe mit der sozial engagierten Bäckerei Reck Beck in Tettnang ins Gespräch. Inhaber Josef Reck gab bald darauf Rainer Geißen die Chance ein dreimonatiges Praktikum zu absolvieren. Schon nach kurzer Zeit war klar, Rainer Geißen fühlt sich in der Tettnanger Bäckerei wohl. „Hier muss ich denken, da bleib ich in Schwung. Wenn ich hier arbeite, roste ich nicht ein.“, so Rainer Geißen über sein Praktikum. Auch seine Kollegen haben ihn in dieser Zeit zu schätzen gelernt.

Darauf folgend entschied sich Josef Reck in Absprache mit seinen Gesellen den motorisch verlangsamten Rainer Geißen zum 1. August 2010 über die WfbM der LiSe fest in der Bäckerei einzustellen. „Er ist einfach eine große Bereicherung für unser Team. Wir wissen, er arbeitet aufgrund seiner motorischen Einschränkung halt langsamer, aber das darf er auch. Rainer bekommt von uns Arbeiten, die ohne Zeitdruck sind. Bis auf seine Spezialseelen, da hat er einen festen Termin, wann er fertig sein muss. Wobei der so gelegt ist, dass er mit seinem Tempo genügend Zeit hat.“ erzählt Josef Reck. Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise das Glacieren der Plunder, das Formen von Brezeln und Laugenstangen sowie die Bedienung des Ofens. Auch hilft Rainer Geißen in der Konditorei mit. „Ich arbeite gerne hier. Es ist interessant, weil man nicht nur über Fachliches schwätzt sondern auch über private Interessen.“, bemerkt Rainer Geißen abschließend.

Als anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) im Sinne des Sozialgesetzbuches arbeitet die LiSe in allen Bereichen, auch in der Material- und Transportlogistik, mit fachlich geschultem Personal im Tandem mit behinderten Menschen. Aufgabe der Werkstatt ist es, Menschen mit psychischen, geistigen und körperlichen Behinderungen bei der Erst- und Wiedereingliederung in das Arbeitsleben fachlich fundiert zu unterstützen. Die Vermittlung von ausgelagerten WfbM-Arbeitsplätzen, wie im Fall von Rainer Geißen, bedeutet für die Menschen mit Behinderung ein selbstverantwortliches Arbeitsleben im Rahmen der Sicherheit der WfbM der LiSe.

*Name geändert 

 

 

 

 

 

 

 

erstellt am 23.01.2011



Rainer Geißen beim Prüfen, ob die Brezeln schon aus dem Ofen können.