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Pauken mit LiSeplus - Organisationsberatung & Training: Anqualifizierung Gebäudereiniger in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg

Im Rahmen des von der inab – Unternehmen für Bildung initiierten Projektes „basic“ fand in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg (JVA) in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Dienst zum wiederholten Male eine fünfmonatige Anqualifizierung zum Gebäudereiniger in Kooperation mit der Handwerkskammer (HWK) Ulm statt. Den theoretischen Unterricht übernahm LiSeplus – Organisationsberatung & Training, ein Dienstleistungsbereich der Liebenau Service GmbH (kurz LiSe). Im Januar 2011 wurden den Teilnehmern die Handwerkskammer-Zertifikate zur bestandenen Abschlussprüfung der HWK Ulm überreicht. Für viele Teilnehmer bedeutet diese Förderung eine mögliche Existenzgrundlage nach ihrem Aufenthalt in der JVA.


Alle Teilnehmer haben bestanden

Alle Teilnehmer haben die stattgefundene Prüfung erfolgreich bestanden und konnten die hart erarbeitete Auszeichnung Anqualifizierung Gebäudereiniger von der HWK Ulm entgegennehmen. „Für viele der Teilnehmer ist diese Berufsqualifizierung eine wichtige Voraussetzung, um ihre kriminelle Vergangenheit nach ihrer Entlassung hinter sich zu lassen und neu anfangen zu können.“, so Bernd Ströbele, Abteilungsleiter Gebäudeservice der LiSe und Referent für LiSeplus. Unter den Teilnehmern, die Haftstrafen von 9 Monaten bis zu 5 Jahren absitzen, finden sich die verschiedensten Berufsgruppen wieder, darunter Metzgermeister, Kaufmann oder Gastronom, aber auch Ungelernte und Menschen mit einer Lese- und Schreibschwäche. „Ich hatte mich aus Interesse an eventuellen zukünftigen Tätigkeiten zu dieser Qualifizierung angemeldet. Ich hoffe, dass es leichter ist nach der Entlassung auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Nachfrage nach Reinigungskräften ist meines Wissens groß und so konnte ich nicht nur fachspezifische Kenntnisse erwerben, sondern auch einen schriftlichen Nachweis dafür.“, erzählt ein Teilnehmer und Insasse der JVA Ravensburg.

Arbeitsqualität hat sich verbessert

Die Anqualifizierung Gebäudereiniger richtet sich an Inhaftierte, die bereits im Reinigungsdienst der JVA tätig sind. Nur bei sehr guter Führung und einer bestehenden Vertrauensbasis dürfen die so genannten Stockwerksreiniger ihre Tätigkeit ausüben, da sie im Zuge der Reinigungsarbeiten Zutritt zu mehr Räumlichkeiten haben als andere Gefangene. „Die Arbeitsqualität unserer Stockwerksreiniger hat sich seit den Fortbildungen sehr verbessert. Die Reinigungsarbeiten werden effizienter ausgeführt und die Anleitungszeit durch uns wurde weniger. Der Reiniger zeigt größeres Engagement und mehr Interesse an seiner Arbeit.“, äußert sich ein Revierbeamter der JVA Ravensburg.

22-wöchige Anqualifizierung

In den 22 Wochen der Anqualifizierung wurde auf der Grundlage eines mit der HWK Ulm abgestimmten Konzeptes in wöchentlichen Theorie- und Praxisstunden das Reinigen und Pflegen von textilen und nicht-textilen Fußböden, von Glasflächen, von Sanitär- und Hygienebereichen sowie von Außenanlagen und Verkehrsflächen behandelt. Um bei den Teilnehmern das nötige Basiswissen für die jeweiligen Bereiche der Gebäudereinigung zu schaffen, mussten auch die Zusammenhänge zwischen der Chemie der Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln, deren Wechselwirkung mit den einzelnen Oberflächenmaterialien und die verschiedenen Themen der Arbeitssicherheit durchgearbeitet werden. Die Notwendigkeit der Produktkennzeichnung aufgrund der Gefahrstoffverordnung, die Möglichkeiten der persönlichen Schutzausrüstung, die Gefahren durch den elektrischen Strom beim Umgang mit Maschinen und Geräten sowie das sichere Stellen von Leitern und Tritten waren hier wichtige Inhalte. Auf dieses Basiswissen konnten nun die einzelnen Fachthemen wie beispielsweise die Besonderheiten bei der desinfizierenden Reinigung von Sanitärbereichen aufgebaut werden.

Wiederholte Lernzielkontrollen

Neben den klassischen Themen auf Basis des Lehrbuches von Gewerbeschulen zur Gebäudereinigung wurden von Bernd Ströbele auch aktuelle Fachthemen behandelt, wie beispielsweise innovative Glas- & Fassadenreinigung mit deionisiertem Wasser. Mit praktischem Fachmaterial und dem Einsatz von methodischen Visualisierungstechniken wurden die theoretischen Inhalte anschaulich und nachvollziehbar den Teilnehmern näher gebracht. Neben der Abschlussprüfung und einer schriftlichen Klassenarbeit wurden darüber hinaus während des gesamten Unterrichts wiederholt Lernzielkontrollen durchgeführt. Die mündliche Abfrage der Lehrinhalte der vergangenen Stunde vor jeder neuen Unterrichtseinheit gab den Teilnehmer nicht nur Sicherheit im Wiedergeben des Gelernten, sondern diente auch zur Analyse von Schwächen und Unsicherheiten. „Besonders stolz machte es mich, wenn ich anhand der Tests sehen konnte, dass die Theorie bei den Teilnehmern hängengeblieben ist. Das bestätigt mir, dass Wissen nicht nur vermittelt, sondern auch verstanden wurde.“, erzählt Bernd Ströbele. „Am spannendsten für mich war jedoch die Erkenntnis der Teilnehmer, dass das Thema Gebäudereinigung wesentlich komplexer und anspruchsvoller ist, als anfänglich gedacht wurde.“.

Lob für Fachkompetenz von LiSeplus

Im Rahmen der Anqualifizierung lobte Alexander Boger, Leiter der JVA Ravensburg, besonders die beachtliche Fachkompetenz von LiSeplus im Bereich Gebäudereinigung und bei der Vermittlung der Lerninhalte die hohe methodisch-didaktische Planungs- und Durchführungskompetenz. „Mich haben die Leistungen von LiSeplus und Herrn Ströbele sehr überzeugt. Rückmeldungen von unseren Stockwerksbeamten ergeben, dass die Reiniger nun in kürzerer Zeit einen effektiveren Erfolg in Sachen Sauberkeit erzielen und deutlich weniger Reinigungsmittel verbrauchen. Ich bin sehr zufrieden.“, resümiert Alexander Boger. Über eine Erfahrung in der JVA Ravensburg berichtet Bernd Ströbele: „Für mich war das Unterrichten in dieser ungewohnten und spannenden Umgebung eine neue Erfahrung. So muss jeder Dozent die Strafanstalt durch eine bewachte Eingangsschleuse betreten, seinen Personalausweis abgeben und anschließend eine Personennotrufanlage entgegen nehmen. Sollte es zu einem Zwischenfall kommen, kann ich damit einen Alarm auszulösen und bekomme innerhalb kürzester Zeit Unterstützung durch die Beamten vor Ort.“

LiSeplus als praxisorientierter Dienstleister

Als praxisorientierter Dienstleister berät und unterstützt LiSeplus im Schwerpunkt soziale Einrichtungen in allen hauswirtschaftlichen Fragestellungen rund um Küche, Wäscherei und Reinigung. Hohe Planungskompetenz, langjährige Erfahrung und durchdachte Konzepte, die sich in erster Linie an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden orientieren, bilden die Grundlage der Beratungstätigkeit. Dabei greifen die Leistungen von LiSeplus auf das Know-how der Liebenau Service GmbH zurück, ein modernes Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Gebäudeservice, Catering und Textilservice. „Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Beratung und die Trainings fachlich fundiert und praxisorientiert ausgerichtet sind.“, sagt Tanja Traub, Abteilungsleiterin von LiSeplus. „Dabei ist es selbstverständlich, dass die Dienstleistungen völlig unabhängig vom Angebot der LiSe durchgeführt werden.“, so Tanja Traub weiter. Neben individuellen Beratungsleistungen bietet LiSeplus auch praxisbezogene Seminare an, die auf Wunsch maßgeschneidert als Inhouse-Seminare durchgeführt werden. Denn Fortbildungen leisten einen entscheidenden Beitrag um alltägliche Arbeitsabläufe zu strukturieren sowie zu optimieren und langfristig einem Unternehmen viel Zeit und Geld zu sparen.

JVA: Schwerpunkt auf berufliche und schulische Förderung

In der JVA Ravensburg wird im Bereich der beruflichen und schulischen Förderung von Gefangenen ein besonderer Schwerpunkt gesetzt. Im berufsbildenden Bereich des pädagogischen Dienstes wird Unterricht für die einjährigen Berufsfachschulen Metall, Kfz, Farbe, Elektro und Holz sowie für das zweite und dritte Lehrjahr der Ausbildungsberufe Maler, Elektriker, Schreiner, Anlagen-, Konstruktions-, Zerspanungs- und Kfz-Mechaniker erteilt. Zweimal jährlich findet eine Schulfremdenprüfung zur Erlangung des Hauptschulabschlusses statt, auch werden Elementar- und Sprachkurse sowie weitere schulische Sonderkurse von den vier hauptamtlichen Lehrkräften durchgeführt. Des Weiteren wird für die Schüler bzw. Studenten eine ganzheitliche Bildungsberatung und Unterstützung sonstiger Bildungsmaßnahmen angeboten. Denn Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Resozialisierung und Eingliederung in die Gesellschaft insbesondere der jungen Strafgefangenen ist, dass sie auf dem freien Arbeitsmarkt eine Chance haben.

Unterstützung für Wiedereingliederung in die Gesellschaft

Neben den Fachdiensten der JVA unterstützt das Projekt basic die Wiedereingliederung der Inhaftierten in die Gesellschaft. Dies erfolgt durch individuelle Begleitung während der Haft und vor allem nach der Entlassung. Brigitte Ratt, Übergangsmanagerin im Projekt basic, schildert dazu: „“Hier wird der Mensch gesehen und nicht die Straftat“ - Mit dieser Äußerung konfrontierte mich ein Inhaftierter, der Bezug zum Projekt basic und dessen Bildungsangeboten nahm. Mir wurde klar, wie wichtig es ist als autonomer Partner in der JVA für die Gefangenen da zu sein und sie in ihrer Selbststeuerung zu unterstützen.“. Dabei orientiert sich die Projektarbeit an den besonderen Bedarfslagen der Strafgefangenen sowie an den gesellschaftlichen Anforderungen. Darüber hinaus werden die Entlassungsvorbereitungen der JVA durch die Projektangebote von basic erweitert. Durch diese Kooperation stehen dem Teilnehmer individuelle und institutionelle Unterstützungsleistungen durch unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung. „Befähigung ist eine notwendige Grundlage für die berufliche und soziale Integration von Strafgefangenen. Durch Bildungsangebote die sich an den Fähigkeiten der Inhaftierten und am Arbeitsmarkt orientieren, werden die Wiedereingliederungschancen deutlich erhöht.“, schließt Beate Altmar, Übergangsmanagerin im Projekt basic, ab.

erstellt am 04.04.2011





Beim Korrigieren der Klassenarbeit: Bernd Ströbele - Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), Dipl.-Facilitymanager (GEFMA), Sachverständiger für Facilitymanagement & Reinigungsschäden (geprüft und anerkannt durch die DESAG) und Mitglied im Verband der Deutschen Sachverständigen GmbH.




(V.l.) Karin Christeinicke, Leiterin der beruflichen Ausbildung im Pädagogischen Dienst, und Brigitte Ratt, Übergangsmanagerin im Projekt basic, bei einer kurzen Besprechung im Lehrerzimmer der JVA Ravensburg.




(V.l.) Beate Altmar, Übergangsmanagerin im Projekt basic, mit einem Häftling der JVA Ravensburg.




Die beiden Übergangsmanagerinnen im Projekt basic, Beate Altmar (links) und Karin Christeinicke (zweite von rechts), mit Jennifer Rietschler, stellvertretende Anstaltsleiterin der JVA Ravensburg, und Bernd Ströbele, Abteilungsleiter Gebäudeservice der LiSe und Referent für LiSeplus.




Das Gelände der JVA Ravensburg.




Die Zusammenhänge zwischen der Chemie der Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln und deren Wechselwirkung mit den einzelnen Oberflächenmaterialien gehört zum klassischen Basiswissen in der Gebäudereinigung.




Auch der richtige Umgang mit Maschinen und Geräten war Teil des Lehrplans.