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Flexible Menschen an flexiblen Maschinen

Im Textilservice geht es seit diesem Jahr deutlich schonender zu. Das betrifft einerseits die Wäsche: Neue Maschinen erlauben es seit diesem Jahr, mit deutlich geringeren Temperaturen zu arbeiten. Schonender geht’s aber ebenso für die Mitarbeiter zu, die von den ergonomischen Einstellmöglichkeiten ihrer neuen Arbeitsgeräte profitieren. So auch Jacqueline Brückner. Sie ist eine von 86 Mitarbeitern aus der „Werkstatt für behinderte Menschen“ (WfbM) der LiSe, die in Liebenau eine abwechslungsreiche, berufliche Heimat gefunden haben.

Berührungsängste kennt Jaqueline nicht. Beherzt greift die 37-Jährige in den Wäschewagen aus Alu, entknotet ein Polohemd und zieht es auf einen Bügel auf, der von einem Roboterarm gehalten wird. Sie führt ihre rechte Hand durch eine Lichtschranke, das Hemd schießt Richtung Decke und verschwindet in einem Kettenkarussell aus Kleidungsstücken. Der älteren Mitarbeiterin, die  ihr zuvor die genauen Handgriffe erklärt hat, fällt  sie augenblicklich in den Arm und bedankt sich. „Sie hat mich gelobt, das hat mir gut gefallen“, wird sie später sagen.

Das Kettenkarussell mit den Roboterarmen ist, genau genommen, nur eine Komponente des neuen Tunnelfinishers. Dieser wurde zu Jahresbeginn hier installiert und ist so etwas wie das industrielle Pendant zum heimischen Bügeleisen. Wäsche wird hier zuerst mit Dampf besprüht, dann mit Heißluft ausgewedelt und schließlich – wie frisch gebügelt – von der Maschine wieder „ausgespuckt“. Für den Geschäftsführer der LiSe, Frank Moscherosch, war es wichtig, die Automatisierung voran zu treiben und Arbeitsabläufe wirtschaftlich zu optimieren. „Unser Anspruch ist es aber in gleichem Maße, die WfbM-Arbeitsplätze  zu erhalten, in ergonomischer Hinsicht zu verbessern oder neue zu schaffen, wo dies Sinn macht“, so Moscherosch.

Der Terminal, an dem Jaqueline Brückner in die Geheimnisse des Tunnelfinishers eingeführt wird, ist einer von insgesamt vieren. Drei wären nötig gewesen, um das tägliche Wäscheaufkommen bewältigen zu können. „Den vierten haben wir angeschafft, damit wir unsere Mitarbeiter aus der WfbM hier ohne Druck anlernen können“, sagt Sarah Schneider aus dem LiSe-Marketing. Jeder darf sich, immer mit der nötigen Unterstützung anderer Mitarbeiter, an der Maschine ausprobieren. Harmonieren  Mensch und Maschine, steht einer weiteren Zusammenarbeit nichts im Wege. Auch technisch wurde an alles gedacht. „Durch die Höhenverstellbarkeit der Eingabe-Terminals, können wir für jeden Mitarbeiter optimale Arbeitsbedingungen schaffen“, freut sich Schneider.

Auch Jaqueline Brückner möchte künftig häufiger am Tunnelfinisher arbeiten, jetzt, wo sie den Bogen raus hat. Sie hilft aber ansonsten immer da, wo sie gebraucht wird. Als echtes Multitalent ist sie in den verschiedensten Bereichen einsetzbar. Ob beim Wäschelegen, beim Verteilen der Rollwagen und beim Patchen. Dabei werden Wäschestücke gekennzeichnet, damit eine spätere Zuordnung zu einer Einrichtung und dem jeweiligen Bewohner möglich ist. Sie selbst lebt seit zwei Jahren mit ihrem Freund in einer gemeinsamen Wohnung, beide werden ambulant betreut, führen aber ansonsten ein selbstständiges Leben. „Wir haben uns hier in Liebenau kennengelernt“, sagt sie, „da habe ich ihn einfach angesprochen und ihm gesagt, dass er mir gefällt.“ Nein, Berührungsängste kennt Jaqueline wirklich nicht.

erstellt am 18.09.2017


Jaqueline Brückner lernt die Arbeit am Tunnelfinisher kennen

(Foto: Daniel Krüger)